Harry Potter auf Deutsch: Warum Namen anders heißen als im Original

Veröffentlicht am 24. August 2026 · von Mysteriumsabteilung-Redaktion

Die kurze Antwort: Ein einziger Übersetzer, Klaus Fritz, hat alle sieben Bände für den Carlsen Verlag übertragen — und mehrere Namen mussten weichen, weil sie im Deutschen entweder unaussprechlich gewesen wären oder ihr Wortwitz sonst verloren gegangen wäre. Manchmal ist die deutsche Lösung cleverer als das Original. Manchmal ging etwas verloren, das bis heute niemand zurückgeholt hat.

Die Namen, die sich geändert haben

OriginalDeutschWarum
Hermione GrangerHermine Granger„Hermione" ist im Deutschen kaum auszusprechen
Rita SkeeterRita KimmkornWortspiel neu gebaut, siehe unten
Tom Marvolo RiddleTom Vorlost Riddleeigenes Anagramm nötig, siehe unten
Diagon AlleyWinkelgasseWortspiel geht verloren, siehe unten
Death EatersTodesserAnspielung auf „Beefeater" geht komplett verloren
Privet DriveLigustewegdirekte Übersetzung, „Liguster" ist die Heckenpflanze
WormtailWurmschwanzwörtlich übersetzt, funktioniert in beiden Sprachen

Manche Namen blieben bewusst unverändert: Hogwarts, Hogsmeade, Voldemort. Und mindestens eine Übersetzung wurde nach dem Druck wieder zurückgenommen — dazu weiter unten.

Ein Anagramm, das im Deutschen neu erfunden werden musste

Im Original ist „Tom Marvolo Riddle" ein Anagramm von „I am Lord Voldemort" — Dumbledore zeigt genau diesen Kniff im zweiten Band, um Voldemorts wahre Identität zu enttarnen. Ein Anagramm funktioniert aber nur mit den Buchstaben des Originalsatzes. Im Deutschen musste der Satz „Ist Lord Voldemort" herauskommen, und dafür brauchte es einen neuen zweiten Vornamen: Vorlost.

Nachgerechnet stimmt es exakt: Die Buchstaben von „Tom Vorlost Riddle" sind dieselben wie die von „ist Lord Voldemort" — nur die Reihenfolge ist anders. Für einen einzigen Satz musste die Übersetzung einen komplett neuen Namen erfinden, der nirgendwo im Original vorkommt.

Rita Kimmkorn: eine Waffe im Namen

Im Original heißt die Klatschreporterin Rita Skeeter — „skeeter" ist amerikanischer Slang für Mücke, ein Insekt, das sticht. Die deutsche Übersetzung ging einen anderen Weg und griff zur Waffentechnik: Kimme und Korn sind die beiden Teile der Visierung an einem Gewehr, mit denen man ein Ziel anpeilt. Rita Kimmkorn nimmt ihre Opfer mit der reißerischen Berichterstattung ins Visier — ein eigenständiges Wortspiel, das im Original so nicht existiert.

Der Fehler, der zum Sammlerstück wurde

In der allerersten deutschen Auflage von „Der Stein der Weisen" trug Sirius Black einen anderen Nachnamen: Sirius Schwarz. Zu dem Zeitpunkt war er eine Randfigur, sein Name schien so unwichtig wie der jedes anderen Muggelworts. Erst mit dem dritten Band wurde klar, dass Sirius Black eine der zentralen Figuren der ganzen Reihe ist — und die Übersetzung wurde zurückgenommen. Ab dem 43. Druck von 2003 heißt er wieder Black.

Frühe Exemplare mit „Schwarz" sind seither bei Sammlern gesucht.

Zwei Namen für dieselbe Figur

Im ersten Band findet sich auf Harrys Hogwarts-Bücherliste ein Lehrbuch mit dem Autorennamen Lurch Scamander — „Newt" bedeutet Molch oder allgemeiner Lurch, und die Übersetzung übertrug es wörtlich. Ein netter Einfall für eine Randnotiz, die eigentlich nie wieder auftauchen sollte.

Dann veröffentlichte J.K. Rowling das im Roman erwähnte Lehrbuch tatsächlich als reales Buch — unter dem Pseudonym Newt Scamander, ihrem englischen Original. Die deutsche Ausgabe musste diesen Namen übernehmen, denn es ist ihr echter Autorenname auf dem Cover. Später kam die Filmreihe „Phantastische Tierwesen" dazu, ebenfalls mit Newt Scamander.

Ergebnis: Wer die ersten Harry-Potter-Bücher auf Deutsch liest, kennt die Figur als Lurch. Wer die Bücherliste in der Kinofassung sieht oder „Phantastische Tierwesen" schaut, kennt sie als Newt. Beide Namen sind korrekt — nur aus verschiedenen Produkten.

Was bei der Übersetzung verloren ging

Nicht jede Entscheidung war ein cleverer Fund. Die Autorin und Übersetzerin Ulrike Draesner hat Klaus Fritz' Arbeit 2008 auf einer Fachtagung der Bundesakademie für kulturelle Bildung öffentlich kritisiert — mit konkreten Beispielen:

Draesners Fazit, zugespitzt: Wenn man die Logik hinter „Hermine" konsequent zu Ende denkt, hätte aus Harry Potter „Harald Töpfer" werden müssen. Das ist polemisch gemeint, trifft aber den Kern der Kritik — die Übersetzung ist an manchen Stellen inkonsequent zwischen „eindeutschen" und „im Original belassen".

Wer ist Klaus Fritz?

Klaus Fritz, geboren 1958, hat für den Carlsen Verlag alle sieben Harry-Potter-Romane aus dem Englischen übertragen. 2001 erhielt er für seine Übersetzung von „Der Feuerkelch" den Deutschen Phantastik Preis. Nach eigener Aussage war sein Ziel „Wirkungsäquivalenz" — die deutsche Fassung sollte bei deutschen Lesern dieselbe Wirkung erzielen wie das Original bei englischen. An den Beispielen oben lässt sich ablesen, wie unterschiedlich gut das gelang.

Kurz zusammengefasst

FrageAntwort
Wer hat übersetzt?Klaus Fritz, für Carlsen, alle sieben Bände
Warum heißt Hermine nicht Hermione?leichtere Aussprache im Deutschen
Was bedeutet Vorlost?nötig für das deutsche Anagramm „ist Lord Voldemort"
Warum zwei Namen für Newt Scamander?Lurch in den Büchern, Newt als Rowlings echtes Pseudonym
Gab es Korrekturen?ja — Sirius Schwarz wurde ab 2003 zu Sirius Black

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